Viele Jugendliche empfinden das Leben im Kloster als streng, langweilig und weit weg vom modernen Leben. Das dem nicht so ist, erlebte unsere Religionsgruppe bei einem Besuch im Europakloster Gut Aich, St. Gilgen.
Gleich zu Beginn erleben wir eine Überraschung. Uns gegenüber steht nicht ein ernster, alter Mann in typischer Klosterrobe, sondern ein junger, sympathischer in Jeans und Sportschuhen gekleideter Mann namens Bruder Benedikt. Er wird uns auf unserem Rundgang durch das Kloster begleiten und uns Rede und Antwort stehen. Bruder Benedikt ist einer von neun Brüdern im Benediktinerkloster. Und noch etwas gibt es zum Staunen. Der älteste Mitbruder im Kloster – Bruder David - wird im Juli 100 Jahre alt. Man stelle sich vor, er wurde zum Chatbot, dem Bruder David Bot, einer App mit der man Bruder David Fragen zu Themen wie Dankbarkeit, Stille und Achtsamkeit stellen kann.
Mit Bruder Benedikt werfen wir einen Blick in eine der mehreren auf dem Klostergelände befindlichen Kunstwerkstätten (die Gold- und Silberschmiede), besichtigen den Paradiesgarten, die Klosterkellerei, den Kreuzgang, das Refektorium (= Speiseraum der Mönche/Brüder), die Klosterkapelle und zum Abschluss die Kirche. Auffallend sind die vielen wunderschönen Gemälde, die sich durch das gesamte Klosterareal ziehen und vom Leiter des Klosters Prior Bruder Thomas (Theologe, Ordensmann und Künstler) erstellt wurden.
Zwischendurch beantwortet Bruder Benedikt immer wieder unsere Fragen und informiert uns über das Leben im Kloster. Dabei erfahren wir unter anderem, dass sich der Alltag im Kloster gar nicht so sehr von unserem unterscheidet: aufstehen, Zähne putzen, arbeiten, essen, waschen, putzen, telefonieren, Blumen gießen, im Garten arbeiten, … in der Freizeit seinen Hobbys nachgehen, auf Urlaub fahren. Wobei ein paar Unterschiede gibt es dann doch. So erfahren wir, dass bei den gemeinsamen Mahlzeiten das Essen schweigend zu sich genommen wird. Daneben gibt es noch weitere Rituale wie das mehrmalige tägliche gemeinsame Beten und das tägliche Meditieren.
Am Ende nahm unsere Religionsgruppe die Erkenntnis mit, dass ein Kloster heute alles andere als verstaubt und altmodisch ist, sondern ein überraschend moderner Lebensort sein kann.
